Nach dem grauen Nebel

Es ist jetzt ein paar Jahre her, dass ich eine heftige depressive Phase überstanden und meine Therapie abgeschlossen habe. Angeregt durch einige Tweets möchte ich über den aktuellen Stand schreiben. 

Meine Depression habe ich damals als einen dichten grauen Nebel wahrgenommen, der alles verschluckt. In ihm verschwand meine Lebensfreude, Gefühle kamen nur noch gedämpft durch. Nur eine tiefe Traurigkeit brach ab und zu recht heftig durch. Am liebsten wäre ich einfach im Bett liegen geblieben, alles andere erforderte unglaublich viel Kraft. Als ob der Nebel nicht nur grau, sondern auch zäh war, jede Anstrengung abfederte. 

Photo: 'Endless Grey' von Pflanze mit Hut auf Flickr
Photo: ‚Endless Grey‘ von Pflanze mit Hut auf Flickr

Noch heute habe ich Angst vor dem Nebel. Schon wenn ich kleine Wolken wahrnehme, spüre ich den grauen Druck wieder. Zum Glück werde ich dadurch nicht gelähmt. Ich habe gelernt, wie ich mich schützen kann, was ich tun muss, um die Wolken zu vertreiben. Dafür, dass mir mein ‚Notfallkoffer‘ präsent bleibt, sorgt schon mein Job. Bisher hat er auch recht gut funktioniert. 

Leider bin ich immer noch nicht wieder so Leistungsfähig, wie vor der depressiven Episode. Langsam muss ich wohl akzeptieren, dass ich nicht wieder so fit werde, wie ich es einmal war. Bemerkbar macht sich das vor allem in der Konzentrationsfähigkeit und der Ausdauer. Ich halte nicht mehr lange durch und brauche viele Pausen. Es dauert auch länger, bis ich mich wieder erholt habe. Mein Gedächtnis, auf das ich früher so stolz war, gleich nun manchmal einem Sieb. 

Zum Glück bin ich wieder etwas gelassener geworden. Ich mache meinen Selbstwert nicht mehr so sehr von meinen Leistungen abhängig, muss nicht immer alles schaffen. Ich erlaube es mir ‚faul‘ zu sein. 

Insgesamt geht es mir gerade recht gut. Der graue Nebel hat aber seine Spuren hinterlassen. 

 

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